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Band 9: Hausarztspezifische Querschnittsthemen Wachsender Band

Sozialmedizin · Versorgungssteuerung · Abrechnung · Prävention · Impfwesen · Digitalisierung · IGEL · Psychosomatik

13 Kapitel vollständig 2 Themenblöcke: Prävention & Querschnittsthemen Version 1.0 · Juli 2026 Wird laufend erweitert

Was ist Band 9?

Die Hausarztmedizin ist kein Fachgebiet, das sich in Organsystemen erschöpft. Täglich treffen Hausärzte Entscheidungen jenseits der Klinik: Wer bekommt einen Pflegegrad? Wie steuert man eine psychiatrische Krise in die Versorgung? Was kostet Praxisgeld, wenn man EBM-Ziffern nicht kennt? Wie erklärt man den 116117-Dringlichkeitscode?

Auch diese Themen wurden nicht abstrakt zusammengestellt, sondern aus derselben Quelle wie der klinische Praxis-Annex in Band 4: aus der eigenen Vorbereitung des Autors auf die Hausarzttätigkeit. Verwaltungs- und Steuerungsfragen wie Pflegegrad, AU oder Dringlichkeitscode gehörten zu den Bereichen, die im Studium kaum vorkommen, im Alltag aber ständig gebraucht werden.

📌 Leitgedanke Band 9

Band 9 beantwortet nicht „Was ist die Diagnose?“ oder „Welche Therapie ist leitliniengerecht?“, sondern: „Wie steuere ich Patienten richtig? Wie dokumentiere ich rechtssicher? Wie organisiert sich eine moderne Hausarztpraxis — und was rechne ich dafür ab?“

116117 & TSSDringlichkeitscodeEBM-AbrechnungGOÄPatientenverfügungACPIGELSTIKO
🌿 Wachsender Band — wird laufend erweitert

Band 9 ist ein lebendes Dokument. Die aktuelle Fassung enthält 13 vollständige Kapitel in zwei Themenblöcken: Prävention & Reisemedizin (Impfwesen, Lebensstilberatung, Arzneimittelverordnung, Überweisungssteuerung) sowie Hausarztspezifische Querschnittsthemen (Sozialmedizin, Arbeitsunfähigkeit, Dringlichkeitscode, Fahreignung, Abrechnung, Schmerztherapie/MMST, Patientenverfügung und Palliativmedizin). Weitere Kapitel folgen fortlaufend — immer zusammen mit Gesetzesänderungen und Leitlinienaktualisierungen.

Aktueller Stand — 13 vollständige Kapitel

Block J 4 Kapitel · Fertig Prävention & Reisemedizin Impfwesen und Reisemedizin · Lebensstilberatung · Arzneimittelverordnung · Überweisungswunsch & Gatekeeping
Block K 9 Kapitel · Fertig Hausarztspezifische Querschnittsthemen Sozialmedizin & Koordination · Arbeitsunfähigkeit · Dringlichkeitscode · Fahreignung · Abrechnung · MMST · Vorausplanung & Sterbebegleitung · Patientenverfügung bei Demenz · Palliativmedizin

Themenblock-Übersicht — alle 13 Kapitel

Block J — Prävention & Reisemedizin

J1: Impfwesen & Reisemedizin — Impfpasscheck, Reiseimpfungen, Malaria/Mückenschutz, Rückkehrer-Red-Flags
J2: Lebensstilberatung — 5-A-Modell, Motivational Interviewing, SMART-Ziele, Recall-Logik
J3: Arzneimittelverordnung — 6-Schritte-Algorithmus, Rezepttypen, OTC-Grenzfälle, Zuzahlungsbefreiung
J4: Überweisungswunsch & Gatekeeping — Hausarzt als Lotse, Fallvignetten, Überweisungsmatrix

Block K — Hausarztspezifische Querschnittsthemen

K1: Sozialmedizin & Koordination — AU/Wiedereingliederung, Pflegegrad, GdB, SAPV, 25 Fallbeispiele
K2: Arbeitsunfähigkeit — AU-Formel, eAU, Wiedereingliederung/BEM
K3: Hausarztvermittlungsfall & Dringlichkeitscode — 112 vs. 116117, TSS, Psychotherapiepfad
K4: Fahreignung & Sicherungsaufklärung — Fahrergruppen 1/2, SOP akute Fahrtüchtigkeit, Schnelltabellen
K5: Abrechnungsziffern — EBM vs. GOÄ, Chroniker-Pauschale 2026, IGeL-Gespräch
K6: Chronischer Schmerz & MMST — Indikation, Vorbehandlung, Einweisung/Nachsorge
K7: Vorausplanung — Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht & Sterbebegleitung, ACP, Hospiz
K8: Patientenverfügung & Grenzen der Sterbehilfe bei Demenz — BGH-Konkretheitsgebot, GDS-Staging, BVerfG 2020
K9: Palliativmedizin — Patientenweg, Ziele, Organisation — AAPV vs. SAPV, ACP, Abrechnung

Kapitel K3 im Detail — 116117 & Dringlichkeitscode

📌 Kernfrage Kapitel K3

Nicht jede Dringlichkeit ist ein Notfall. Die hausärztliche Kernaufgabe ist, lebensbedrohliche Situationen von dringlichen, aber ambulant steuerbaren Fällen zu trennen und den richtigen Versorgungspfad auszulösen.

VersorgungswegWann passendZeitlogik
112Lebensbedrohlicher NotfallMinuten
116117 BereitschaftsdienstAkut, außerhalb Sprechzeiten, keine LebensgefahrStunden
116117 TSS ohne CodeHA, Augenarzt, Frauenarzt, Kinder, Psychotherapie ErstgesprächTage bis Wochen
Hausarztvermittlungsfall + CodeZeitkritische fachäztliche AbklärungBis ~4 Wochen
Direkte AkutsprechstundeZeitkritisch, direkter regionaler Zugang bekanntTage
👥 MFA-Modul A1 — 12-Punkte-Checkliste Dringlichkeitscode
  • Lebenszeichen / Vitalzeichen gecheckt? → Wenn nein: zuerst 112-Frage klären
  • Symptombeginn: akut (<24h) oder subakut?
  • Bisherige Versorgungsversuche (Hausarzt, Akutsprechstunde, Notaufnahme)?
  • Fachrichtung und Dringlichkeit durch Arzt bestimmt?
  • 12-stelliger Dringlichkeitscode vom Arzt erhalten?
  • Überweisung ausgestellt (auch als eÜ)?
  • Patienten über Ablauf informiert: TSS anrufen, Code bereithalten
  • Keine Garantie auf Wunschpraxis erklärt?
  • Psychotherapiepfad: Erstgespräch vs. Akutbehandlung vs. Krisenpfad unterschieden?
  • Dokumentation im PVS: Indikation, Code, Datum
  • Rückmeldung: Patient soll Ergebnis mitteilen (Termin erhalten?)
  • Fallback: wenn kein Termin in 4 Wochen → Rückruf vereinbart?

Red Flags — Häufige Abrechnungsfehler (Kapitel K5)

🚨 Red Flags — EBM-Abrechnungsfehler mit Rückforderungsrisiko
  • Doppelabrechnung: Versichertenpauschale + Grundpauschale in gleicher Zahl
  • Ziffern ohne Inhaltsdokumentation (besondere Beratungsziffern ohne Beratungsinhalt)
  • Überschreitung Richtgroßen — fehlende Begründung in der Dokumentation
  • GOÄ-Leistungen ohne schriftliche Vereinbarung vor Behandlung (§ 2 GOÄ)
  • IGeL-Abrechnung ohne schriftliche Aufklärung und Einwilligung

Kap. K7 — Sterbebegleitung & ACP auf einen Blick

⭐ Praxis-Pearl — Vorausplanung

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind keine Formalien — sondern Kommunikationsanlässe. Das wichtigste ACP-Gespräch findet statt, bevor der Patient nicht mehr einwilligungsfähig ist. Ein Gespräch, das nie geführt wurde, ist keine Ersparnis — sondern eine Last für alle Beteiligten in der Krise.

InstrumentFunktionRechtliche Basis
PatientenverfügungWille für bestimmte Behandlungssituationen vorausbestimmen§ 1901a BGB
VorsorgevollmachtPerson benennen, die entscheiden darf§§ 1896 ff. BGB
PalliativversorgungSymptomkontrolle, keine Kuration mehrSGB V § 37b (SAPV)
HospizStationäre SterbebegleitungSGB V § 39a
Assistierter SuizidErmöglicht nach BVerfG 2020; EinzelfallentscheidungBVerfG 2 BvR 2347/15
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